Der Kunstreiseführer “Provence” von Thorsten Droste

Geschrieben am 26. März 2012

Bereits in siebter Auflage präsentiert der Reiseverlag Dumont den kenntnisreich geschriebenen und opulent bebilderten Kunstreiseführer Provence des promovierten Kunsthistorikers Thorsten Droste.

Auf insgesamt 16 Reiserouten führt Thorsten Droste den Leser auf architektur- und kunsthistorischen Pfaden durch die Provence. Es werden antike und imposante Bauwerke, malerische Landschaften und ruhmreiche Orte besucht. Der Weg führt beginnend im Rhône-Tal über die Städte Avignon und Marseille bis in das Hinterland der Côte d’Azur und die Haute- Provence.

Der Kunstreiseführer beginnt mit einem langen aber sehr interessanten historischen Abriss über das komplette Gebiet der Provence. Diesem folgen kurze Ausführungen über die spezifische Flora und Fauna der Sonnenprovinz sowie über deren klimatische Eigenheiten.

Die sehr gelungene Galerie bekannter und weniger bekannter Provenzalen informiert durch Kurzbiographien über deren Leben und Wirken und weckt das Interesse an so manch scheinbar vergessenem Wissenschaftler, Politiker und Literaten.

Im Anschluss stehen die Reiserouten, die selbstverständlich den größten Teil des Kunstreiseführers einnehmen. Dabei werden faktenreich und in sehr nüchternem Stil die Architekturen der unterschiedlichsten provenzalischen Orte vorgestellt und überaus detailreich beschrieben, gemäß dem goetheschen Motto: “Man sieht nur, was man weiß.” So werden dem kunst(historisch) interessierten Reisenden so manches bauliches Merkmal vor Augen geführt, das wohl sonst verborgen bliebe. Unterfüttert werden diese Deskriptionen durch kundige Exkurse hinsichtlich ihrer historischen Bedeutung. Garniert wird das Ganze oftmals mit Grundrisszeichnungen anhand derer weiter ins Detail gegangen wird. Abgeschlossen wird fast jedes Kapitel mit Hinweisen auf empfehlenswerte Unterkünfte und kulinarisch einladende Restaurants in der jeweiligen Gegend.

Der Aufbau des Kunstreiseführers ist gut durchdacht. Die Explikationen zu baukünstlerischen Besonderheiten sind durchweg interessant. Der Ton der Beschreibungen ist urteilssicher, kommt allerdings manchmal etwas prätentiös daher, was aber wohl an den teilweise sehr tiefgehenden Schilderungen liegt. Wer salbungsvolle Ausführungen zur wunderschönen provenzalischen Landschaft erwartet, wird enttäuscht werden. Allein hier und da läßt Thorsten Droste einen lokalen Autor oder Reisenden über die Schönheit der Provence parlieren. So kommen z.B. der Insektenforscher Fabre zum Mont Ventoux, Rilke und Vidal über den Ort Les Baux, oder Daudet über den Salzsee in Camargue zu Worte. Diese kurzen Passagen, in denen Autoren unterschiedlichster Couleur das Wort erteilt wird, lockern die lehrreichen Darlegungen Drostes auf und machen den Kunstreiseführer Provence zu einem angenehm zu lesenden Stück Reiseliteratur. Auch ohne vor Ort zu sein, erfährt und lernt man allerhand und es werden Zusammenhänge offenbar, die sich dem Laien so wohl nicht erschließen würden. Die zahlreichen Farbfotos sind durchgehend von sehr hoher Qualität und zeigen die Gebäude oftmals eingebettet in ihren weitläufigen Umgebungen und vermitteln so einen Eindruck der landschaftlichen Schönheit der Provence.

Die praktischen Tipps, neben den bereits genannten Hotel- und Restaurantempfehlungen, sind gut ausgewählt. Informationen zu Eintrittspreisen (z.B. über sogenannte Globaltickets), Öffnungszeiten, Park & Ride-Systemen und Anfahrtswegen verhindern so manche Irrfahrt und so manche Enttäuschung aufgrund saisonal begrenzter Zutritte zu Bauwerken und Museen.

Der Anhang des Reiseführers ist ebenfalls sinnvoll konzipiert. Ein Glossar über die wichtigsten kunsthistorischen Termini lassen so manch auftretende Schamesröte schnell wieder verschwinden, sind doch die Definitionen der im Reiseführer verwendeten Begriffe pointiert und verständlich verfasst. Gefolgt von diesem kleinen Wörterbuch finden sich weitere wichtige Reiseinformationen u.a. über die Anreisemöglichkeiten in die Provence mit unterschiedlichsten Verkehrsmitteln, Auskünfte zu Mautgebühren, diplomatischen Vertretungen und Festivals sowie Tipps zu kulinarischen Spezialitäten und Unterkünften. Sehr schön sind in diesem Verbunde auch die kleine Vinologie, in deren Rahmen Thorsten Droste von so manch gemachter Erfahrung zu berichten weiß, und die Literaturempfehlungen zu provenzalischen Autoren.

Nach einem Sach- und Personenregister finden sich zwei abschließende leere Seiten für Notizen. Die Umschlaginnenseiten ziert jeweils eine Karte, am Anfang eine Übersichtskarte über die Provence, am Ende ein Auszug aus einem Stadtplan von Avignon.

Leider fehlen ein kurzes Vor- und Nachwort. Es wäre für den ein oder anderen Leser vielleicht interessant zu wissen, warum der Autor, der zwölf Jahre in Südfrankreich gelebt hat, gerade über die Provence schreibt, was ihn gerade an diesem Gebiet interessiert. So beginnt der Kunstreiseführer unvermittelt und etwas unelegant mit dem Aufzählen des ersten Faktes über die Sonnenprovinz.

Es ist aufgrund des Labels als Kunstreiseführer fast unnötig zu sagen, dass es sich bei Drostes Provence eben nicht um einen herkömmlichen Reiseführer handelt, der über die geläufigen Sehenswürdigkeiten, gepaart mit zahllosen praktischen Tipps, informiert. Für kunst- und architekturhistorisch Interessierte, ist der Reiseführer aber ein fast unerlässliches und sehr zu empfehlendes Werkzeug bei der Planung des nächsten Urlaubs in dieser südfranzösischen Region. Auf insgesamt 352 Seiten berichtet Thorsten Droste von den Schätzen der Provence. Der Kunstreiseführer Provence ist im Dumont-Reiseverlag erschienen und kostet 25,90 Euro.

 

Thorsten Droste: Provence. Ostfildern 2011. (7. Auflage)